Segelfliegen

393 Kilometer im Segelflug: die Aufgabe nach Höxter

~5 Min. Lesezeit von Ralf Siepker
393 Kilometer im Segelflug: die Aufgabe nach Höxter

Am 26. April 2025 stand die Aufgabe schon vor dem Start im Rechner: nach Höxter an die Weser und zurück, 333,61 Kilometer als Out-and-Return. Geschafft habe ich sie nicht. Trotzdem standen am Ende 393,43 gewertete Kilometer auf dem Papier: sechs Stunden und vier Minuten in der Luft, und am Ende stand die Hornet wieder in Nordhorn-Lingen.

Was daraus geworden ist, steht unten in Karte und Barogramm. Beides ist aus meiner eigenen Aufzeichnung gerechnet, nicht abgeschrieben.

Der Start: 365 Meter in 27 Sekunden

Windenstart, wie fast immer beim LSV Lingen. Die Aufzeichnung schreibt 365 Meter Ausklinkhöhe nach 27 Sekunden, das sind knapp 14 Meter in der Sekunde. Vom Anrollen bis zum Abheben liegen 114 Meter Boden hinter dem Flugzeug.

365 Meter sind wenig, um damit auf Strecke zu gehen. Sie reichen für genau eine Sache: den ersten Bart zu finden. Findet man ihn nicht, ist der Flug nach acht Minuten vorbei und man steht wieder am Start.

Der Weg: bis kurz vor die Weser

Der Flugweg von Nordhorn-Lingen Richtung Höxter und zurück

Die Linie ist nach der Uhrzeit eingefärbt, von Blau am Mittag zu Orange am Abend. Wer genau hinsieht, erkennt an den kleinen Schleifen, wo die Bärte standen: Jede davon ist ein Kreis, den ich geflogen bin, um Höhe zu machen.

Die Wende fiel knapp drei Stunden nach dem Start. Bis zum Wendepunkt der Aufgabe bei Höxter-Holzminden fehlten von dort noch 27 Kilometer Luftlinie, im Bild die gestrichelte Linie nach Südosten. Ab da ging es zurück.

Sechs Stunden zwischen 587 und 1.894 Metern

Sechs Stunden zwischen 587 und 1.894 Metern

Höhe über dem Meer, darunter das Gelände. Zum Ablesen mit der Maus über das Diagramm fahren.

über NN
über Grund
Höhe in Metern über NN 0 500 1.000 1.500 2.000 13:00 14:00 15:00 16:00 17:00 18:00
Zahlen als Tabelle
Uhrzeitüber NNüber Grund
12:51 24 m 0 m
13:24 1.123 m 1.091 m
13:57 1.227 m 1.178 m
14:30 1.322 m 1.228 m
15:03 1.651 m 1.547 m
15:36 1.215 m 1.038 m
16:08 1.150 m 1.062 m
16:41 1.567 m 1.445 m
17:14 1.669 m 1.636 m
17:47 1.581 m 1.568 m
18:20 1.089 m 1.071 m
18:52 287 m 261 m
18:56 33 m 9 m

Das Gelände liegt als graue Fläche unter der Höhenlinie. Das ist der Grund, aus dem eine Höhenangabe allein wenig aussagt: 1.500 Meter über dem Emsland sind etwas anderes als 1.500 Meter über dem Weserbergland, wo der Boden schon auf 300 Metern anfängt.

Der höchste Punkt lag bei 1.894 Metern über dem Meer, das waren 1.808 Meter über Grund. Im Schnitt war ich unterwegs 1.230 Meter über dem Boden, tiefster Punkt zwischen Start und Landung: 587 Meter. Das klingt nach Reserve, und es ist auch welche. Nur schrumpft sie in dem Tempo, in dem man geradeaus fliegt.

Am auffälligsten ist, wie gleichmäßig der Nachmittag verlief: Zwischen 14 und 18 Uhr geht die Linie kaum einmal unter 1.000 Meter. Erst danach wurde die letzte Höhe über dem Platz abgebaut, und die Sägezähne hören auf.

36 Bärte, 12.283 Meter

Aus der Aufzeichnung lässt sich ausrechnen, wie viel Arbeit ein solcher Tag ist. Gezählt habe ich jedes Steigen von mehr als 100 Metern am Stück, nachdem die Höhe über 30 Sekunden geglättet wurde. Ohne diese Glättung zählt jede Zuckung des Loggers als eigener Aufwind.

  • 36 Bärte über 100 Meter
  • 12.283 Meter Höhe insgesamt gewonnen, das Sechsfache der größten erreichten Höhe
  • 137 Minuten davon im Kreis, also 38 Prozent der Flugzeit
  • bester Bart: 809 Meter am Stück
  • Schnitt im Bart: 1,5 Meter in der Sekunde

Die 38 Prozent sind die eigentliche Zahl des Tages. Mehr als ein Drittel der Zeit ging nicht in Richtung Ziel, sondern nach oben. Wer schneller sein will, muss nicht schneller fliegen, sondern seltener kreisen.

Was in der Wertung stand

Wertung Strecke Punkte
Freie Strecke 393,43 km 450,28
DMSt 388,89 km 388,89
Out-and-Return 284,23 km 284,23

Der Schnitt über die gewertete Strecke lag bei 67,55 km/h. Die geplante Aufgabe steht in der Wertung als nicht erfüllt, und das ist auch richtig so: Ich war schlicht nicht in Höxter.

Trotzdem sind sechs Stunden mit über 1.000 Metern Höhengewinn und mehr als 50 Kilometern Strecke genau die Bedingungen, an denen sich im Segelflug seit jeher etwas festmacht. Der Tag war also weit mehr als ein misslungener Versuch.

Wie die Zahlen entstanden sind

Die Aufzeichnung stammt aus dem Logger im Flugzeug und liegt bei WeGlide. Von dort habe ich Spur, Höhe und die Geländehöhe unter dem Flugzeug geholt und alles Weitere selbst gerechnet: Entfernung vom Platz, Höhe über Grund, Bärte, Steigzeit, Schnitt im Bart.

Die Karte ist keine Kartenkachel von einem fremden Dienst, sondern zur Zeichenzeit aus gemeinfreien Geodaten von Natural Earth ins SVG gerechnet. Die Beitragsseite fragt beim Aufruf also niemanden um Erlaubnis und lädt nichts von Dritten nach. Aufbereitet und gezeichnet wurde das automatisch mit Claude Code, die Skripte liegen im Repository dieser Seite.

Wer sehen will, wie der Anfang aussah: Mein erster Segelflug und Platzrunde mit der ASK 21 beim LSV Lingen. Wie viel Fliegerei in eine Saison passt, steht in der Segelflug-Saison 2016 in Zahlen.

Bilder vom Tag

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